Mama!

Meine Mutter habe ich zu ihren Lebzeiten nie gezeichnet. Zunächst war ich selbst aufgrund meiner Krankheit nicht in der Lage, mich ihr auf diese Weise anzunähern, sondern hatte das Verlangen nach Rückzug und Abstand. Ich hatte ja auch im Sinne, wir würden noch mindestens zwei Jahrzehnte miteinander haben und es wäre genügend Zeit …

Dann, als es begann mir besser zu gehen und eine Annäherung wieder möglich war, war ihr Krebs machtvoll zurück in unser Leben eingedrungen und sie nicht in einer Verfassung, in der ich sie um eine Portraitsitzung bitten mochte. Ich hielt es auf eine gewisse Weise für pietätlos, sie in ihrer Schwäche und dem zunehmenden körperlichen Verfall darzustellen. Als sie auf dem Totenbett lag, hatte ich kurz darüber nachgedacht, eine Zeichnung anzufertigen, dann aber gefühlt, dass das für mich nicht richtig wäre und ich damit eine unsichtbare Grenze überschreiten würde.

Gestern Abend war für mich der Moment, in dem ich – nach einem Foto – zum ersten Mal eine Portraitskizze meiner Mutter in Angriff nahm. Traurig, aber irgendwie auch tröstlich. Es ist eine erste Annäherung und weitere Zeichnungen werden folgen.

Morgen wird es ein Jahr her sein, dass ich zum letzten Mal in ihre Augen schauen durfte.

Autor: Leinwandartistin

Im Umbruch. Mit Pinsel, Zeichenstift und Fotoapparat auf der Suche nach mir selbst und einem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

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