Die Schuldfrage

 

Es gibt ja Menschen, die immer sofort die Schuld bei den anderen sehen; was immer auch passiert – die Welt ist böse und sie selbst machen immer alles richtig.

Ich gehöre zum anderen Extrem, indem ich für alles immer die Schuld bei mir suche, sich richtig nur auf mich allein Wut empfinden kann. Für alle anderen Menschen finde ich tausend Ausreden. Egal ob vielleicht das Fehlverhalten ganz objektiv auf der Seite anderer Leute liegt, ich finde zielgenau das Schlupfloch, weswegen ich mich selbst kasteien darf.

Während viele Leute endlich mal lernen müssen, sich auch mal an die eigene Nase zu fassen, ist meine Nase also schon fast plattgedrückt. Aber die Behörden der sozialen (Un!)Sicherheit und ihre SachbearbeiterInnen haben sich schon seit langer langer Zeit entschlossen, mir ganz (un)eigennützig mit einer Schocktherapie zu helfen. Ich möchte ihnen hier an dieser Stelle meinen tiefempfundenen Dank aussprechen (muss ich die Ironiewarnung hinzufügen?). Ich finde zwar immer noch ausreichend Gründe, auf mich selbst zu fluchen, aber darüber hinaus wächst ein Pflänzchen der Wut, die sich nach außen richtet.

Bei der therapeutischen Bearbeitung des Themas helfen mir die Köpenicker Knorkator (jetzt Ironie Ende, die helfen wirklich!) und ich höre gerade in Schleife, wie der eine Stumpen sein zweites Ich so richtig fertig macht.

 

Autor: Leinwandartistin

Im Umbruch. Mit Pinsel, Zeichenstift und Fotoapparat auf der Suche nach mir selbst und einem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

8 thoughts

  1. Wenn man sich jeden Tag einredet, man hat Schuld, dann glaubt man es eben auch irgendwann. Dann hat man selbst am Wetter Schuld. Die Wut tut gut, da rührt sich was. Die Energie die sie freisetzt sollte nur in konstruktive Bahnen gelenkt werden mit dem Ziel: Ich wehre mich, um meine Bedürfnisse, die ich habe, durchzusetzen!

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  2. Meine erste Therapeutin hatte ein echtes Problem mit dem Wort „Schuld“, vor allem wenn ich äußerte, das ich schuld habe, an diesem oder jenem. Sie versuchte mich dahin zu bringen, dass ich da lieber von „verantwortlich“ spreche. Irgendwie war mir das damals irgendwann zu blöd und ich sagte zu ihr ziemlich barsch „wenn sie wollen, sage ich über den Tisch es wär ein Stuhl, trotzdem bleibt er ein Tisch“. Klar ist der Begriff Schuld eher negativ behaftet, aber man muss ja nicht immer alles schönreden. Es hat sich ja auch so in meinem Denken verankert, dass ich schuld habe, an was auch immer. Und das so auch auszusprechen, bin ich mir schuldig. LG

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  3. Wenn die Schocktherapie nötig war, um dein Pflänzchen Wut aus dem Boden zu locken, so war sie vielleicht gar nicht so schlecht. Nun begießt du das Pflänzchen ordentlich und es wächst – auch gut. Irgendwann trägt es dann „Früchte des Zorns“.

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  4. Ja, das geht mir ähnlich, Agnes. Dieses Trauma hat bei mir im Alter von 13 Jahren eine Lehrerin ausgelöst. Ich war damals auch eher ein Mensch, der zu schüchtern war, den Mund aufzutun und für die „eigenen Rechte und Bedürfnisse“ einzustehen. Als ich dann aber doch einmal mich gegen Anfeindungen von Mitschülern deutlicher verbal zur Wehr setzte, wurde ich gleich von dieser Frau in die Schranken gewiesen. Ihre Worte hierzu: Ich sollte den Fehler bei mir suchen, jetzt unsachlich zu werden ist sei ja auch nicht schön, sie möchte doch, das ich ehrlich dazu stehe. Die ganze Situation war undurchsichtig, doch Die Konsequenz davon war, dass Ich quasi verstummte. Ja, aber so kam es halt. Ich begann, für alles mir die Schuld zu geben, es wanderte in mein Fühlen und Denken und prägt mich bis heute. Aber ich denke, das Du diesem Thema hier eine Platform bietest, ist notwendig und sinnvoll, Liebe Agnes. Es schmerzt immer wieder, dieses Leid von damals wieder zu spüren, aber es ist auch die einzige Möglichkeit, es zu verarbeiten. Wenn es auch nur ein Versuch ist. Toller Text. Lieber Gruss Jochen

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    1. Lieber Jochen, ich danke Dir sehr für Deine ehrlichen Zeilen. Es ist schon ein großer Schritt zu erkennen, warum jeder von uns „gelernt“ hat, die eigenen Bedürfnisse gegenüber denen von anderen gering zu schätzen und sich selbst so klein zu halten.
      Ich hoffe, Du bist da auch auf einem guten Weg.
      Herzlichen Grüße
      Agnes

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