Neue Hoffnung. Besser, manches nicht zu wissen

Einen zweiten Beitrag möchte ich zu Beitrag zu Petra Pawlofskys Gemeinschaftsprojekt „Zündstoff Hoffnung“ beisteuern.

Ich habe dazu ein altes Bild aus dem Frühjahr 2016 herausgesucht, dem ich damals den Titel „Neue Hoffnung“ gab. Zu dieser Zeit stellte ich gerade mein Antidepressivum um, das nicht (oder nur unzureichend) wirkte. D.h. zuerst das alte Mittel über einen gewissen Zeitraum ausschleichen, dann das neue Medikament langsam aufdosieren – mit all den Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen, die so etwas in der Regel auslöst.

Neue Hoffnung, Aquarell und Zeichentusche, Frühjahr 2016

In der Rückschau erinnerte ich mich so manches mal mit einer gewissen Häme an diese „Neue Hoffnung“. Wie dumm und naiv ich war! Ich dachte damals schon, mir ginge es schlecht und da könne es, ja, müsse, doch alles nur besser werden. Statt dessen stand ich erst am Rande des Abgrunds.

Über den darauf folgenden Sommer kam ich noch halbwegs, doch dann ging es so richtig in die abwärts und das Drama endete auch nicht mit Klinikaufenthalt und der anfänglich falschen Unterbringung auf einer geschlossenen Station zwischen Menschen in Manie und Psychose.

Doch, wenn ich es jetzt bedenke, freue ich mich über meine damalige Naivität. Ohne die Hoffnung auf baldige Besserung hätte ich keinen Antrieb zu leben gehabt, keine Kraft zur Veränderung und hätte auch nicht die – ja auch immer wieder vorhandenen – Momente des Glücklichseins wahrnehmen können. Ohne die Hoffnung wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt.

Heute ist bei mir zwar noch einiges im Argen und es gibt viel Luft nach oben, aber verglichen mit damals hüpfe ich herum wie ein junges Reh. Und was bringt die Zukunft? Ich möchte es gar nicht wissen. Die Möglichkeit, dass es besser wird, besteht allemal. Darauf hoffe ich.

Autor: Ines Udelnow

Portraitzeichnungen, Zeichnungen aus der Natur und Naturfotografie

5 thoughts

  1. Auch das trägt bei, danke .
    Deine Erzählungen lassen mich an eigenes Leid zurückdenken.
    Mit 32 suchte ich erstmals therapeutische Hilfe.
    Erst 20 Jahre später konnte ich ein geordnetes Ankommen in normalem leben konstatieren .
    Dazwischen gab es immer massive Einbrüche, von denen ich kaum etwas vorhersah.

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    1. Wahrscheinlich war es auch damals für Dich gut, dass Du nicht vorauahnen konntest, wie lange und hartnäckig die Erkrankung bleiben und wie nachhaltig sie Dein Leben beeinflussen würde. Es freut mich jedenfalls sehr zu lesen, dass Du heute von einem „normalen Leben“ schreibst, das Du leben kannst. Das macht mir wiederum Hoffnung auch für meine Zukunft. Manchmal dauert die Krise eben sehr lange und hält sich nicht an das Lehrbuch der Psychologie über Standarrd-Krankheits-Episoden von um die 6 Monate.
      Liebe Grüße
      Ines

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      1. 6 Monate sind quatsch 😀
        Ines, ich atte vor etwa 2 Wochen die Idee, mein leben aufzuschreiben , im Prinzip für mich.

        Seit dem Tod meines Bruders 2005 gab es kaum eine Krise mehr.
        Vielleicht hatte ich auch Glück.
        Aber das Sterben meines Bruders bewältigte ich ganz gut, auch wenn ich damals auch den Wunsch verspürte, mit gehen zu dürfen .

        Vielleicht gibt es auch für dich befriedung in deinem Leben. 😀

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