Zwischen Habicht und Schneeglöckchen


Diese Zeit des Jahres ist eine wahre Wundertüte. Jeder Tag scheint neu auszuwürfeln, welche Jahreszeit gerade an der Reihe ist. War es gestern noch frostig kalt, sitzen wir heute vielleicht schon auf einer Decke im Park. Und dennoch bleibt die leise Möglichkeit, dass der Winter sich ein letztes, größeres oder kleineres Comeback erlaubt.

Winterlinge.


Die Natur jedenfalls ist nicht mehr zu halten. An den Kornellkirschen lugt bereits ein Hauch von Gelb aus den Knospen, Schneeglöckchen, Elfenkrokusse und Winterlinge liefern sich ein stilles Wettrennen darum, wer sein Köpfchen am höchsten tragen darf.


Auf den Boden allerdings blicke ich nur selten, wenn ich mit Kamera und Teleobjektiv unterwegs bin. Meine Augen scannen die Äste und Zweige der Bäume über mir, in denen sich fast immer etwas beobachten lässt – wobei ich aufpassen muss, nicht mit einem der unzähligen Parkbesucher zusammenzuprallen, die aus den Wohnungen der Stadt quellen, sobald die Sonne scheint und die Temperaturen ein paar Grad über Null klettern.


Nach dem langen eisigen Winter werden Frau und Herr Habicht ihren Augen kaum getraut haben angesichts der wuseligen Parallelwelt auf der Wiese unter ihrem Brutrevier. Menschen, die dicht an dicht auf Decken saßen oder herumlagen, picknickten, Ball spielten, jonglierten, radelten oder einfach nur umherflanierten. Und dazwischen noch diese eine Frau, die nun häufiger zu kommen scheint – und wer weiß, was daran findet, ihre große Kamera auf sie zu richten.


Ich kenne inzwischen den Lieblingsbaum des Habichtpaares, und wenn ich sie nicht sofort entdecke, muss ich hier nur eine Weile warten, bis sich einer der beiden Partner niederlässt. Wer die Parkwege aufmerksam abschreitet, erkennt außerdem an den Federspuren am Boden, in welchen Bäumen die künftigen Habichteltern gern ihre Beute rupfen und verzehren. 


Auch einen kleineren Nebenhorst konnte ich entdecken, an dem der Terzel für das Weibchen Beute zum Fressen ablegt. Manchmal wird sie im Flug übergeben, doch hiervon ist mir bislang noch kein Foto gelungen.

Wie auch die Kopulation selbst gehört dies zum Balzritual vor der Eiablage. Der Terzel signalisiert dem Weibchen auf diese Weise, dass er sie während der Brutzeit, in der sie den Horst kaum verlässt, zuverlässig mit Nahrung versorgen kann.


Zwischen all dem kreisen meine Blicke immer wieder auch zurück zum Boden, wo die Schneeglöckchen inzwischen kleine weiße Inseln im noch wintergrauen Gras bilden.


Vielleicht liegt genau darin der Zauber dieser Tage: im gleichzeitigen Blick nach oben und nach unten, zwischen Federn und Blüten, zwischen Vorfreude und Vorsicht.

Bildergalerie zum Habichtweibchen

Alle Fotos vom 27.2.2028 und vom 28.02.2026 in Berlin Wedding

Bildergalerie zum Terzel (männlicher Habicht).

Alle Fotos vom 28.02.2026 in Berlin Wedding

Das Habichtpaar

Alle Fotos vom 28.02.2026 in Berlin Wedding

Hier zu meinem Habichtbeitrag aus der vergangenen Woche

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